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Big Knock 2008
Billingshurst, UK
30.05.2008 - 31.05.2008 |
! Exclusiv auf Dieselkrad.info ! Der Reisebericht vom Reisenden selber. Reinhard schreibt über seine Rekordfahrt
Vom Nordkap nach Gibraltar
Europa Nord - Süd in fünf Tagen auf dem Dieselmotorrad
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5676 km
1,88 l / 100 km
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Wie lange braucht man, einmal längs durch Europa? Und wieviel Treibstoff muss ein wirklich sparsames Motorrad auf dieser Strecke verbrauchen?
4.7.2005; 4 Uhr morgens. Es ist neblig und kalt am Nordkap. Die stählerne Weltkugel ist nur schemenhat zu erkennen. Ich starte den Flitzibitz, mein selbstgebautes Dieselmotorrad. Das 11 PS starke italienische Selbstzünderherz pocht dumpf und gleichmäßig vor sich hin und weckt einige Wohnmobiltreiber, die sich hier für die Nacht festgesetzt haben. Die letzten Fahrtage, zum Aufwärmen, haben mich entlang der norwegischen Westküste entlang zu diesem nördlichsten Punkt unseres Kontinents geführt. Von nun an wird es für mich jedoch nur nach Süden gehen.
Schon wenige Stunden, als ich die Nähe des ewig kalten Polarmeeres hinter mich gelassen habe, lacht mir wieder die nordische Sonne. Die Aufgabe ist klar: So schnell und sparsam wie möglich nach Gibraltar. Also geht es durch einen Zipfel Finnland und dann nach Schweden, Richtung Ostseeküste.
Leider ist die E4 eine so angenehme Strecke wie die norwegische E6, die ich auf der Hinfahrt gefahren bin. Von der malerischen Küste ist nur selten etwas zu erahnen, aber wenigstens geht es mit 70-100 km/h flüssig vorwärts. Ich nutze den Vorteil der langen Skandinavischen
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Sommertage voll aus. Der Polarkreis bleibt hinter mir. Spät abends baue ich, von tausenden von Mücken umschwärmt, mein Zelt auf. Erst nachdem der Eingang geschlossen ist wage ich es den Helm abzunehmen. (1221km)
5.7.2005
Schweden ist lang, viel länger als ich dachte. Den ganzen Tag kämpft sich Flitzibitz im ständig dichter werdenden Verkehr vorwärts. In Sichtweite der Brücke nach Dänemark geht mir dann das Tageslicht aus. (1177km)
6.7.2005
Heute habe ich ein Heimspiel. Erstaunlicherweise führt meine Strecke in Deutschland nur 3km an meinem Wohnort vorbei, und ich beschließe, die Nacht in meinem eigenen Bett zu verbringen. Da ich schon früh abends dort eintreffe kann ich nach einer dringend notwendigen Dusche noch kurz mein Motorradgespann zum Essen ausführen. Irgendwie klingt der große Zweizylinder-Diesel neidisch auf seinen kleinen Kollegen, der so viel zu sehen kriegt. (614km)
7.7.2005
Wahrscheinlich war ich wohl schon zu siegessicher und Frau Fortuna beschloß, mir deswegen
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eins auszuwischen. In Luxenburg erwischt mich das Gewitter des Jahres und mittendrin, klatschnaß, reisst mir der Sekundärzahnriemen. Sicher, ich habe einen neuen dabei, aber der zum Wechsel nötige Abzieher verbiegt sich vor meinen ungläubigen augen wie Kaugummi. Wird meine Fahrt hier scheitern, wegen einem dämlichen Abzieher, nachdem alles bisher so gut gelaufen ist? Nun, die Regenwolken verziehen sich, die Haßwolke über meinem Kopf auch. Flitzibitz und ich rollen 5km bergab nach Echternach und eine freundliche Autowerkstatt leiht mir die Werkzeuge, mit denen ich kurzerhand den Motor ausbaue, den Riemen tausche und dann den Motor wieder einbaue. Vier wertvolle Stunden gehen verloren, aber ich bin wieder im Rennen. Die französische Autobahn spult sich monoton, aber erfreulich zügig ab. Ich jage eine Zeit lang mit zwei Kölner Ducatifahrern, Diese anmaßenden Heinis glauben doch glatt, sie könnten meinen Schnitt halten! Naja, nach 900km geben Sie dann auf. Ich fahre noch bis Mitternacht weiter und erreiche die spanische Grenze. (1405km)
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8.7.2005
Schon um 5 Uhr rolle ich den Schlafsack wieder zusammen. Heute wird es sich zeigen. Schaffe ich es bis Gibraltar? Auch Spanien ist lang, sehr lang, und besteht für mich aus immer kürzer werdenden Abschnitten zwischen immer unverschämteren Mautstationen. Ich übe mich darin, schneller durch die Mautstationen zu fahren als die LKW. Manchmal schaffe ich es sogar. Langsam weicht die meditative Ruhe des Fahrens der Anspannung. Nur keine blöde Panne jetzt, kurz vor dem Ziel. Auf den letzten 300km ziehen sich die Steigungen und der steife Gegenwind endlos. Flitzibitz kämpft sich mit knapp 90 km/h dagegen an. Von sparsamer Fahrweise kann keine Rede mehr sein, aber das interessiert mich jetzt auch nicht mehr so sehr. Nur ankommen zählt. Dann endlich, um 9 Uhr abends, taucht der Felsen von Gibraltar vor uns auf. Zunächst genau so schemenhaft wie die Weltkugel am Nordkap. Nur noch wenige Kilometer bis zur Ortseinfahrt. Der spanische Zöllner, der an der Grenzenach Gibraltar meinen Ausweis sehen will quittiert meinen Lachanfall mit giftigen Blicken. Woher hätte er auch wissen sollen, nach fünf Tagen Fahrt durch ein ziemlich geeintes Europa, das er der Einzige sein würde, der noch an die Rituale des letzten Jahrhunderts erinnert. (1259 km)
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Der Flitzibitz - Technische Daten
- Aufgebaut auf Basis der MZ TS 250/1
- 442 cm³ Diesel, 11 PS
- 4-Gang-Schaltgetriebe
- Primär- und Sekundärantrieb über Zahnriemen
- 10 l Tank
- 137 kg Leergewicht
- 113 km/h maximal
- 0.9 l / 100 km minimal (bei ca. 50 km/h)
Was sollte das überhaupt ?
In heutigen Zeiten, wo ein sparsames Auto 3 l verbraucht und ein sparsames Motorrad 5 l, wo die kurzsichtige Journallie bei der 90 PS starken Neander das Fehlen des dritten Zylinders beklagt, und wo der Spritpreis gottseidank überhaupt keine Rolle mehr spielt, wollte ich nur daran erinnern, daß ein Motorrad grundsätzlich immer sparsamer als ein Auto ist (sein kann) und als Individualfahrzeug allemal die bessere Alternative ist.
Was ist der überhaupt - sparsam?
Ein billige Suzuki GN 125 kann wahrscheinlich mit 2 l Benzin gefahren werden, eine Dieselenfield mit 1.5 l, die Fahrzeuge des Shell-Marathons können theoretisch tausende von Kilometern mit einem Liter zurücklegen. Aber sind Fahrgeschwindigkeiten von 17 - 40 km/h wirklich aussagekräftig? Meine Meßlatte ist ein Fahrzeug, das im heutigen normalen Straßenverkehr ohne weiteres mitschwimmen kann, das jeden langsameren LKW problemlos aufschnupfen kann und dessen Fahrer nicht ständig genervte Gesichter im Rückspiegel sieht. Dazu braucht man eine Spitzengeschwindkeit von deutlich über 100km/h
Geht es noch sparsamer?
Der verwendete simple Stationärdiesel beinhaltet keinesfalls die Fortschritte der Dieseltechnologie der letzten Jahrzehnte. Flitzibitz hätte durchaus auch schon vor 20 Jahren gebaut werden können.
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Ein nach heutigen Maßstäben gebauter High-Tech Motorraddiesel würde wahrscheinlich auf nur 70% des spezifischen Verbrauches kommen. Mit aerodynamischen Tricks, sprich ausgefeilten Vollverkleidungen oder zumindest FF-Design, wären dann weitere Einsparungen machbar. Die 1-Liter-Grenze ist durchaus erreichbar. Das würde dann allerdings der Philosophie von einem einfachen Gebrauchsfahrzeug wiedersprechen.
Was genervt hat:
Daß ich mit dem winzigen 10-l Tank alle 500 km tanken musste.
Daß es in Norwegen deutlich mehr Radarfallen als Tankstellen gibt.
Daß ich auf meiner Strecke deutlich mehr Geld für Maut als für Diesel bezahlt habe.
Daß die skandinavischen Schönheiten, an die ich mich aus meiner Jugend erinnere, inzwischen genauso ausgeprägte Mc-Hüftringe vorzeigen wie ihre deutschen oder spanischen Altersgenossinen. Europa verfettet!
Daß das Wetter in Deutschland wirklich das schlechteste in ganz Europa ist
Wo es mir am besten gefallen hat: In Norwegen
Wo es mir am wenigsten gefallen hat: In Spanien
Fahrstrecke:
Nordkap Alta Kautokeino Luela Umea Stockholm Kopenhagen Hamburg Köln Luxemburg Dijon Lyon Marseille Barcelona Alicante Malaga Gibraltar
5676 km , 1.88l / 100km
Gesamte Fahrstrecke, einschließlich An- und Abreise: 12050 km in 12 Tagen.
Reinhard Hötger r.hoe@t-online.de
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10.5.2008 - 0:49
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